SONNENGESANG DES FRANZ VON ASSISI 08.08.2008
Franziskaner-Kloster Paderborn Pater Dr. Werinhard Einhorn:

Die Sonne steigt über dem Erdenbraun langsam zu einem Symbol der Majestas Domini auf, der Majestät Gottes. Sie teilt sich aus dem weißgelb glühenden Hitzezentrum heraus in wachsenden Ringen dem Kosmos mit, wie ein Signal von „mächtigem Glanz”.
Eine Monstranz, ein Zeige- und Auftaktbild, das weniger durch differenzierte Farbigkeit wirken will, als vielmehr durch zeichenhafte Eindeutigkeit und durch das Material: in die Acryl-Farbe eingemischter Sand, der für das Geschöpfliche steht.

„Sonne, Mond und Sterne” sagt der Volksmund und nennt damit höchst kundig die Gestirne, die in den Psalmen für den ganzen Himmelsglobus stehen. Mond und Sterne tauchen auf und ab in einem blauen Meer. Und die Luft macht sich sichtbar in einem Schleierwirbel.
Die Luft ist eines der uralt so bezeichneten 4 Elemente. Die anderen drei schliessen sich an: Wasser, Feuer, Erde.

Wasser und Feuer sind in unserer Präsentation unvermittelt gegen einander gerückt und in Farbe und Formen deutlich konfrontiert: ein ruhig waagerecht dahinziehendes Wasserblau, und: senkrecht aufzüngelnde Flammenzüge. Die Malerin erinnert hier an die Gestaltungsweisen der Farbfeld-Malerei, an oftmals völlig monochrom all over bedeckte Bildtafeln. Das sandige Innenleben der Pinselzüge legt vorsichtig ein tastbares Konturennetz über die resolute Farbigkeit. Wegen dieser besonderen gestalterischen Zugriffe muss ich an dieser Stelle etwas ausführlicher werden.

Als 4. Element-Bild bringt sich das Lobpreisbild der Erde in Erinnerung: Ein Stück schwerer Lehmboden scheint aus der Erde ausgeschnitten und vor uns aufgestellt. Ein Erdstück, auf dem grüne Inseln schwimmen, Kräuter, Moose, Erde, aus der ein Braunfeld wie ein Krater aufbricht. Oder rundet sich da Erdmaterial zu einem Gleichbild der Erde, eine Erde wie am
Schöpfungsmorgen, die sich erst noch finden muss. Wir können die Malerin nachher selbst fragen, was sie darstellen wollte. Aber das wird uns bei unserem Hinschauen und unseren Assoziationen wohl nicht viel helfen. Die englische Erzählerin und Essayistin Virginia Woolf hat einmal gesagt: „Autor und Leser sind Zwillinge” – für unser Bildersehen heute hieße das:
„Malerin und Betrachter sind Zwillinge”: Der Lesende, der Betrachtende erschafft das Werk mit und macht es so zu seinem eigene, mit einem Recht der Deutung.

Gegenüber diesem Erdbild hängen in der Fensterlaibung zwei „Erdausschnitte”, wie direkt aus dem Keramikofen des Weltenschöpfers gezogen. Und rechts von
Ihnen sehen Sie in ähnlicher Gestaltung einen Pfeiler und ein Arrangement „Aus
der Wüste geschnitten”.

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